Beide liefern Audio über das Internet, und damit endet die Gemeinsamkeit. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Nutzungssituation, im Rechtsrahmen und in der Frage, wer die Reihenfolge bestimmt.
Linear gegen auf Abruf
Webradio ist linear: Es läuft, ob jemand zuhört oder nicht, und wer einschaltet, steigt mitten im Programm ein. Ein Podcast ist auf Abruf: Die Episode beginnt, wenn der Hörer es will, und lässt sich pausieren, überspringen und nachholen. Aus diesem einen Unterschied folgt fast alles andere.
Unterschiedliche Nutzungssituationen
Webradio wird nebenbei gehört, über längere Zeiträume, oft ohne bewusste Auswahl: bei der Arbeit, in der Küche, in der Werkstatt. Podcasts werden bewusst ausgewählt und meist konzentriert gehört, häufig unterwegs. Deshalb funktioniert Musik im Webradio und Wort im Podcast. Ein Musikpodcast ist die Ausnahme, ein Wort-Webradio ebenso.
Der Rechtsrahmen trennt beide deutlich
Musik im Livestream ist über die Verwertungsgesellschaften zu lizenzieren, siehe GEMA und GVL im Webradio. Ein Abrufangebot ist eine zusätzliche Nutzungsart mit eigener Lizenzpflicht. Genau deshalb enthalten die meisten Podcasts keine fremde Musik, sondern lizenzfreie Produktionsmusik oder Eigenkompositionen. Umgekehrt unterliegt ein lineares Programm der medienrechtlichen Einordnung nach dem Medienstaatsvertrag, siehe Lizenzen für Webradio, während ein Podcast in der Regel als Telemedium behandelt wird.
Produktion und Aufwand
Ein Webradio verursacht dauerhaften Aufwand für Playout, Katalogpflege und laufende Lizenzkosten. Ein Podcast verursacht Aufwand pro Episode: Recherche, Aufnahme, Schnitt. Für ein kleines Team ist die Frage deshalb nicht, was moderner ist, sondern welche Art von Arbeit sich dauerhaft leisten lässt.
Wo sich beides ergänzt
Viele Sender nutzen die Kombination: Der Livestream trägt das Musikprogramm und die Gewohnheit, der Podcast nimmt die Wortstrecken auf, die im linearen Programm verpuffen würden. Interviews, Szeneberichte und Hintergrundstücke funktionieren als Episode besser, weil sie nachhörbar bleiben. Wichtig ist die saubere Trennung der Rechte: Der Mitschnitt einer Musiksendung ist kein Podcast, sondern ein lizenzpflichtiges Abrufangebot.
Was das für die Planung heißt
Wer ein Publikum für ein Thema aufbauen will, startet einfacher mit einem Podcast. Wer eine Musikszene bedienen und Gewohnheit erzeugen will, braucht ein lineares Programm. Beides zusammen lohnt sich erst, wenn die Produktionskapazität für beides reicht. Die Reihenfolge der Aufbauschritte steht in Webradio starten.