Audioqualität im Webradio: Bitrate, Lautheit, Codec

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Klang ist im Webradio kein Luxus, sondern das erste Ausschlusskriterium. Wer nach drei Titeln lauter oder leiser drehen muss, schaltet weg. Die gute Nachricht: Fast alle Klangprobleme haben zwei Ursachen und beide sind zu beheben.

Ursache eins: die falsche Bitrate

Die Bitrate bestimmt, wie viel Information pro Sekunde übertragen wird. Zu niedrig gewählt, klingt Musik metallisch und Becken zerfallen in Zischen. Als Orientierung:

Ein zweiter Mountpoint mit niedrigerer Bitrate ist kein Kompromiss, sondern gute Praxis: Die Hörer im Mobilfunknetz bekommen einen stabilen Stream, alle anderen die volle Qualität. Wie sich das einrichten lässt, steht in Software und Tools für den eigenen Sender.

Ursache zwei: springende Lautheit

Der häufigste Amateurfehler ist nicht die Bitrate, sondern der Lautheitssprung zwischen zwei Titeln. Eine Aufnahme von 1994 ist anders gemastert als eine von 2024. Ohne Angleichung liegen zwischen beiden mehrere Dezibel. Die Lösung ist eine Normalisierung nach Lautheit statt nach Spitzenpegel: Gemessen wird in LUFS, also in wahrgenommener Lautheit über die Zeit, nicht am höchsten Ausschlag. Übliche Zielwerte für Streaming liegen im Bereich von etwa minus 16 bis minus 14 LUFS. Wichtiger als der exakte Wert ist, dass der gesamte Katalog auf denselben Wert gebracht wird.

Viele Playout-Programme messen beim Import automatisch und speichern den Korrekturwert in der Titeldatenbank. Wer den Katalog nachträglich angleicht, sollte die Originaldateien behalten und nur den Wiedergabepegel korrigieren, statt in die Dateien zu rendern.

Die Ausspielkette

Zwischen Playout und Encoder gehört eine zurückhaltende Bearbeitung: ein Kompressor, der Dynamikspitzen abfängt, und ein Limiter, der Übersteuerung verhindert. Wer hier zu kräftig eingreift, erzeugt genau den flachen, drückenden Klang, für den kommerzielle Formatradios kritisiert werden. Für einen Musiksender gilt: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Ebenfalls wichtig ist der Abstand zur Vollaussteuerung. Encoder arbeiten sauberer, wenn das Eingangssignal nicht bis an die Grenze läuft. Ein bis zwei Dezibel Reserve verhindern Verzerrungen, die erst nach der Kodierung hörbar werden.

Moderation und Musik im Gleichgewicht

Sobald moderiert wird, kommt eine zweite Lautheitsebene dazu. Sprache wird schnell zu leise empfunden, weil sie weniger dichte Frequenzanteile hat als produzierte Musik. Ein moderater Kompressor auf dem Mikrofonkanal und ein Hochpassfilter gegen Trittschall lösen das Problem zuverlässiger als jedes Nachdrehen am Fader. Ein Popschutz kostet wenige Euro und beseitigt die Explosivlaute, die sonst jeden Limiter auslösen.

Prüfen statt hoffen

Der Test gehört nicht in die Abhöre des Studios, sondern in die Umgebungen der Hörer: einmal über Handylautsprecher, einmal über Bluetooth-Box, einmal über Kopfhörer, einmal im Auto. Wenn ein Genrewechsel dabei keinen Griff zum Lautstärkeregler auslöst, stimmt die Kette. Wie diese Prüfschleife in den Sendestart passt, steht in Webradio starten; welche Formate besonders empfindlich auf schlechte Kodierung reagieren, zeigt Rock im Webradio.